Biogasanlagen umstellen auf Gasaufbereitung und Einspeisung

Biogasanlagen umstellen auf Gasaufbereitung und Einspeisung? Eine gute Lösung – für einen Teil des Bestands.

Schon seit geraumer Zeit scheint die Rolle von Biogas im Strommarkt fraglich. Viele Betreiber denken über einen Umstieg auf Biomethaneinspeisung nach.

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Seit dem EEG 2014 ist der Aufbereitungsbonus für Biomethan-BHKW zur Finanzierung der Einspeisung ins Erdgasnetz weggefallen. Inzwischen entfällt auch noch die Einsparung der Netznutzungsentgelte. Neue Biomethan-BHKW erhalten eine EEG-Förderung nur im Rahmen der Ausschreibung. Deren Höchstpreise sind wirtschaftlich kaum auskömmlich. Derzeit gibt es also kein langfristig tragfähiges Geschäftsmodell.

Ein Strohhalm für die Branche erscheint die Kraftstoffquoten der Renewable Energies Directive (RED2). Um Biogas, möglichst aus Gülle, im Verkehrssektor zu vermarkten, wird es zunächst zu Biomethan aufbereitet, meist in das Erdgasnetz eingespeist und dann als CNG vertankt – um Zertifikate für THG-Minderung an Erzeuger fossiler Treibstoffe verkaufen zu können.

Die Branche diskutiert den Einstieg in den Transportsektor, der Präsident des Fachverbandes, Horst Seide, geht dieser Entwicklung erfolgreich voran. Diese Idee steht und fällt mit den regulatorischen Bedingungen der Minderungsquoten, den Preisen für Zertifikate, der Konkurrenz durch synthetische Flüssigkraftstoffe und durch e-Mobilität. Vertragliche Sicherheiten gibt es allenfalls über einige Jahre. Dieser Strauß an Risiken behindert natürlich die Investitionsbereitschaft von Anlagenbetreibern.

Biomethan könnte tatsächlich, als erstes wirklich grünes Gas, die technischen Lücken der e-Mobilität füllen, industrielle Wärmebedarfe decken, oder auch nur den fossilen Treibstoffbedarf der Landwirtschaft selbst mindern. Die Umstellung der Vor-Ort-Verstromung auf Biogas-Aufbereitung und Einspeisung in das Erdgasnetz wartet dringend auf wirksame Impulse.

Aber selbst mit einem funktionierenden Geschäftsmodell werden die meisten bestehenden Anlagen nicht ans Gasnetz angeschlossen werden können. Einerseits ist die Investition für viele Betreiber kaum zu stemmen. Andererseits steht nicht jede Anlage nahe am Gasnetz. Die Gasleitung bis zum Netzverknüpfungspunkt und der Eigenanteil an der Einspeiseanlage von bis zu 250.000 € ist nur bei ausreichend großen Gasmengen wirtschaftlich. Das DBFZ rechnet mit einem Potenzial von 10 bis 21 % der aktuellen Biogaskapazität – zusätzlich zu den etwa 10 %, die bereits ins Gasnetz einspeisen. Die Biomethanmenge könnte man also günstigenfalls verdreifachen. Bis zu etwa einem Drittel der Biogasmenge kann man zu vertretbaren Kosten ins Gasnetz einspeisen.

Um den übrigen Bestand an Biogasanlagen zu erhalten, müssen Betreiber also eine andere Perspektive nach der EEG-Förderung finden.

Das spricht für eine Fortsetzung des BHKW-Betriebs. Warum auch nicht, denn Strom und Wärme werden auch in den Regionen benötigt, wo diese Biogasanlagen stehen. Wo ein nachhaltiges Wärmekonzept fehlt, muss es noch entwickelt werden.

Diese Perspektive für Biogas im Strom- und Wärmemarkt sinnvoll weiter zu entwickeln – das ist das Ziel der Flexperten.

Biogasanlagen ohne Wärmenutzung sollten Biogas aufbereiten und ins Gasnetz einspeisen.

Die Nachfrage nach Biomethan wächst:

  • in BHKW durch die neue Ausschreibung für hochflexible Biomethan-BHKW
  • in Wärmenetzen für klimaneutrale KWK
  • im Verkehrssektor für Zwecke, die sich nicht für e-Mobilität eignen wie der Flugverkehr.
  • Mindestens die Zeit, bis genügend Wasserstoff als klimafreundlicher Energieträger verfügbar ist, wird Biomethan diringend benötigt – wahrscheinlich  für 20 Jahre und mehr.

Viele Anlagen sind dafür jedoch zu klein und am falschen Standort. Die Gasaufbereitung mit langer Leitung zur Netzeeinspeisung rechnen sich erst bei hohen Erlösen, die sich nicht vertraglich sichern lassen.

Für kleine Biogasanlagen kann eine Biogastankstelle sinnvoll sein. Mit der Nutzung in LKW oder mobilen Maschinen mit CNG lässt sich die hohe Nachfrage nach THG-Minderungszertifikaten im Transportsektor verwerten.

Beispiel: Energiehof Weitenau